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JUN
2013

42. Jahrestagung der ADT

42. Jahrestagung der AG Dentale Technologie (ADT) in Böblingen

Wo bleibt die Okklusion?“ und „Regelversorgung, gleichartige Versorgung oder andersartige Versorgung?“ waren die Themen der diesjährigen Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Dentale Technologie (ADT). Sie stellt alljährlich einen wichtigen Orientierungspunkt für Zahnärzte und Zahntechniker dar.
Vor knapp 1.200 Zahnärzten und Zahntechnikern sprachen in Böblingen anderthalb Tage lang exzellente Referenten zu diesen Themen.
Im Folgenden sind die Inhalte der Referate des freitags und des samstags kurz zusammengefasst.

Freitag, 31. Mai 2013
Okklusion und Funktion im digitalen Zeitalter ZtM Jochen Peters (Neuss)
Wer Jochen Peters kennt, weiß, wie Überzeugungskraft, getragen von echtem Wissen, mitreißen kann. Er warnte davor, dass die neuen Technologien mit all ihren Software-Tools dem Anwender vorgaukeln, für jeden Patientenfall die perfekte Lösung mithilfe eines Mausklicks parat zu haben. Nur durch technischen Sachverstand ein Hightech-Produkt für den Patienten zu produzieren sei Utopie und eine Entwicklung, die in die absolut falsche Richtung gehe: weg von der Orientierung am Patienten, hin zum Massenprodukt.

Sein Credo: Der Patient ist ein Individuum mit einem individuellen Kau- und Bewegungsapparat. Eine funktionelle Vereinheitlichung funktioniert bei seiner Versorgung nicht.

Seine Kritik: Zahnersatz scheint immer mehr als Geschmackssache angesehen zu werden. Aber das Aussehen eines Zahns gestaltet sich nach seiner Funktion und den Vorgaben der Natur. Nur mit einer korrekten Morphologie können Zähne funktionieren. Unter Berücksichtigung aller funktionellen Voraussetzungen ergibt sich dann aber fast automatisch die natürliche Ästhetik aus Form und Funktion.

Seine Botschaft: „Die Kenntnisse um funktionelle Gesetzmäßigkeiten und deren Umsetzung sind notwendige Voraussetzungen für die Herstellung von Zahnersatz. Dies gilt für klassische Verfahren ebenso wie für CAD/CAM. Mögen die Beispiele und Vorschläge in den Software-Tools noch so ‚schön‘ sein, Individualität erhalten sie nur durch Qualifikation.

Seine Empfehlung: Erlernen der Anwendung des Okklusalen Kompasses als Navigationsinstrument bei der Gestaltung von Kauflächen. Das Wissen wo, warum und wie ein Höckerabhang verläuft oder ein Kontakt angelegt wird, hilft, schnell und wirtschaftlich zu arbeiten, sowohl in der klassischen Arbeitsweise als auch mit modernen Technologien. Wem die Zusammenhänge bewusst sind und wer die Materialien werkstoffkonform verarbeitet, kann Fehlerquellen wie Abplatzungen, Rissbildungen und parodontale Veränderungen auf ein Minimum reduzieren.

Sein Motto: „Wer aufgehört hat, besser zu werden, hat aufgehört, gut zu sein.“
(Hartmut Eklöh)

Jan
2013

Funktionales Designen mit 3Shape

Aufgrund der hohen Nachfrage und des größer werdenden Bedarfs, machen wir aus der ehemaligen Kurzeinführung eine vollwertige Schulung ab 2013.
Für diese Schulung werden Laptops an allen Arbeitsplätzen bereit gestellt und damit aktives Mitarbeiten für jeden Teilnehmer ermöglicht.

Für konkrete Informationen zur Schulung klicken Sie bitte hier, oder entnehmen Sie ein paar grundlegende Informationen zu dem Thema Funktionelles Designen mit 3Shape aus dem nachfolgenden Interview, das Dr. Ehrensberger mit Jochen Peters für eine Fachzeitschrift führte:

Dr. Ehrensberger: Erleichtern nicht die heute verfügbaren Software-Tools eine korrekte Okklusion so weit, dass hier praktisch nichts mehr schiefgehen kann?
Jochen Peters:
Die Software-Tools sind doch nur so gut wie wir es zulassen! Das Designen mit der Maus eröffnet uns unzählige Möglichkeiten. Die Annahme jedoch, aufgrund der angebotenen Vielfältigkeit für den Patienten nicht nur die „schönste“ sondern auch die „optimalste“ Okklusalfläche zu gestalten reduziert sich ganz schnell auf „Null“, wenn bei der Rekonstruktion nicht von Anfang an mit Kompetenz geplant wird! Jeder Mensch ist ein Unikat und weist eine ihm ganz eigene und individuelle Okklusion auf! Eine Okklusion, so groß die Software-Tools auch sein mögen, kann niemals bereits passend in einem System vorhanden sein! Unikate sind einmalig und nur mit dem entsprechenden Know-how erlaubt uns die moderne Technik, patienten- und praxisorientierten Zahnersatz zu designen. Das bedeutet, wer sich in der Anfangsphase zu wenig mit den individuellen Verhältnissen auseinander setzt oder falsche Schlüsse zieht, induziert automatisch einen Bedarf an nachträglichem Einschleifen in der Praxis. Das ist mehr als lästig und im Fall von Zirkonoxidrestaurationen eine „harte“ Strafe! Jeder Zahnarzt und Patient dankt es uns daher, wenn es ihm erspart bleibt.

Dr. Ehrensberger: Heißt dies: CAD/CAM-Technologie und der Werkstoff Zirkonoxid haben die Bedeutung einer stimmigen Okklusion nochmals erhöht?
Jochen Peters:
Ja, auf jeden Fall und mehr noch! Möchte man die vielen Möglichkeiten, die uns die neue Technologie bietet mit Sachverstand nutzen, genügt es nicht mehr nach den alten Konzepten von vor 20 Jahren zu arbeiten. Es ist nicht ausreichend, dass sich die technischen Voraussetzungen auf Hightech Niveau bewegen. Jeder Einzelne von uns ist aufgefordert, diese Eigenschaften mit modernem Wissen zu ergänzen, damit am Ende ein Zahnersatz entsteht, welcher den neuen Technologien entspricht und auch als Hightech Endprodukt unser Labor verlässt. Entsprechend dem Motto: Jede Kette ist nur so stark, wie ihr schwächstes Glied!

Dr. Ehrensberger: Worin liegt denn, wenn man das so sagen kann, der hauptsächliche Fehler, den Zahntechniker heute begehen?
Jochen Peters: Der größte Fehler besteht darin, dass Zahntechniker und Behandler die Okklusalflächen nicht „global“ betrachten und immer noch gern an alten Okklusionskonzepten festhalten. Doch so wie sich die technischen Anforderungen an den Zahntechniker – gerade in Bezug auf CAD/CAM – und den Behandler geändert haben, sind auch die Okklusionskonzepte der vergangenen Jahrzehnte weiter entwickelt worden. Ein weiterer großer Fehler ist das unsachgemäße Spurenlesen am Restgebiss und die daraus resultierende und leider meist nicht korrekte Schlussfolgerung hinsichtlich der Gestaltung des neuen Zahnersatzes, der nach unterschiedlichen Zeitspannen mehr oder weniger starke Abrasionen und parodontale Veränderungen aufweist. Die somit häufig hausgemachten Probleme entstehen durch zu viele und nicht korrekt angelegte Abstützungen / Kontaktpunkte und – man glaubt es nur sehr ungern – zu flach gestaltete Kauflächen. Gerade mit Blick auf die CAD/CAM Technologie und patientengerechtes und wirtschaftliches Arbeiten besteht hier ein unbedingter Handlungsbedarf.